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Ein Rückblick der Wildnistour 2018

Drei Wochen durch Norwegens Nationalparks

So viele Bilder in meinem Kopf… brennender Sonnenschein, türkisblaue Seen, Wildpferde, reißende Flüsse, Schneefelder, Blicke in steinige aber grüne und wunderschöne Täler, erfrischender Regen, Heidekraut und anderes Gesträuch, generell Steine, großartige und faszinierend schön-schreckliche Wasserfälle mit ungeheurer Kraft, kleine alles blau färbende Heidelbeeren, Wind den man richtig hören kann, kleingewachsene Birken knapp unterhalb der Baumgrenze, zwei kämpfende Moschusochsen, lachende und singende Menschen, quasi alles, was eine gute Wildnistour so bieten kann.

Aber von vorne.
Wir starten mit 20 Menschen zwischen 14 und 25 Jahren Mitte Juli Richtung Norwegen. Die Hinfahrt ist lang und anstrengend, was vielleicht auch daran liegen mag, dass wir alles Gepäck für 16 Lauftage dabei haben, inklusive dem Essen für die zweite Hälfte, in sehr umständlichen und super schweren Pappkartons. Von Wetzlar aus geht es Richtung Hamburg über Kopenhagen, Malmö, Oslo, dann endlich nach 2 Tagen Fahrt Dombås. Dombås liegt im oberen Viertel von Norwegen, südlich von Trondheim.
Hier übernachten wir die erste Nacht noch alle zusammen, um Kraft für die nächsten Tage zu sammeln nach der zehrenden Anreise. Am nächsten Tag teilen wir uns in zwei Gruppe à 10 Leute und fahren in unterschiedliche Gebiete. Ich und neun andere erstmal nach Kongsvoll in den Dovre-Sundalsfjella Nationalpark. Die schweren Pappkartons mit dem Essen der zweiten Woche haben wir übrigens der anderen Gruppe überlassen. Diese deponiert sie netterweise für uns alle an einem Campingplatz zwischen den Gebieten, sodass wir das Essen abholen können, wenn die halbe Wildnistour vorbei ist.

Und dann geht es tatsächlich los. Natürlich am Anfang in Kongsvoll erstmal beständig nach oben, mit vollen Rucksäcken ist das gar nicht so einfach. Aber wir wollen ja schon bald über den Dingen stehen und weite Ausblicke genießen. Die Natur hier ist schon wunderschön, noch unter der Baumgrenze mit kleinwüchsigen Bäumen und Sträuchern, irgendwann wechselt die Szene zu immer mehr Steinen, Flechten, Moos und hier und da einem kleinen Strauch. Der erste Ausblick weiter oben ist für uns alle gigantisch. Wo Füße einen doch so alles hin und rauf tragen können.

Direkt an unserem ersten Tag sehen wir wildlebende Pferde. Die lassen sich streicheln und sind ziemlich neugierig. Wir haben noch eine letzte Karotte dabei, die wird natürlich gespendet an schleckende Pferdemäuler. Weiter geht’s über Stock aber vor allem Stein, denn das ist es, was wir schon am ersten Tag merken. Wenn es etwas gibt hier in Norwegen, dann sind es Steine. Viele verschiedene, große, kleine, verschiedenfarbige, nichtsdestotrotz Steine. Wir machen immer wieder kleine Pausen, genießen den Blick, stecken unsere Füße in einen eiskalten Fluss, füllen unsere Wasserflaschen wieder auf. Kurz bevor wir uns auf die Suche nach einem ersten Schlafplatz begeben sehen wir einen Moschusochsen der ganz nah an uns vorbeiprescht, runter zum Fluss und direkt durch das Wasser hindurch. Super beeindruckend.
Abends wird es kalt und wir verziehen uns in unsere Schlafsäcke.

Viele der Tage sehen so oder ähnlich aus. Aufstehen wenn die Sonne oder ich als „gemeine“ Teamerin die noch nicht Wachen wecke, damit wir irgendwann nochmal starten. Frühstücken, im oder außerhalb des Schlafsacks, Zähne putzen, eincremen gegen die Sonne, Trinkwasser auffüllen, Tarp abbauen, Rucksäcke packen, satteln und dann weiterwandern. Mal nach Karte und Kompass orientieren, die erste Woche aber vor allem dem einzig verlaufenden Weg folgen. Berge rauf und des Öfteren auch wieder runter. Zeit nehmen für Mittagssnack und Badepausen, die auch manchmal hemmungslos zum wieder Einschlafen auf dem Rucksack genutzt werden. Aussichten genießen, Natur erleben, gute Gespräche führen.

Draußen unterwegs sein ist etwas wirklich Faszinierendes.

Nicht nur, dass die Natur immer beruhigt und oft auch glücklich macht, man lernt auch den Wert einiger Dinge ganz anders zu schätzen und bemerkt, wie wenig es eigentlich braucht für ein gutes Leben. Ein Dach über dem Kopf, wo es warm und trocken ist, in unserem Fall Tarpplanen mit Wanderstöcken und Schnüren zu einem großen Zelt für 10 verspannt und einem Schlafsack. Etwas Leckeres zu essen, Wasser, zum Waschen von Körper und Klamotten und natürlich zum Trinken und Kochen. Liebe Menschen um sich herum. Ein bisschen „Kultur“ in Form von selber Musik machen, tanzen, Bücher (vor-)lesen… Aber mehr fällt mir beim besten Willen nicht ein. Natürlich vermisst man manchmal ein paar gewohnte Dinge, aber essentiell brauchen tut man sie nicht. Was ich besonders mag ist auch, dass es auf einmal so still wird. Den Wind hört man manchmal, ein paar Vögel, aber über der Baumgrenze in Norwegen nicht gerade viele. Wasser kann man öfter mal hören fern oder nah, vielleicht ein paar wenige Insekten, die eigenen Schritte und den Atem sowie die Menschen mit denen man unterwegs ist.

Mein Resümee für die Tour: Es war großartig; tolle Gruppe, super schönes Tourengebiet, anstrengend auf vielerlei Weisen, aber definitiv die Mühe wert!

Kommt doch nächstes Mal mit, wenn wir im Sommer 2019 wahrscheinlich nach Schweden fahren, das nicht minder schön ist 🙂

(Anna Zirkel)