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Warum tut ihr nichts? – Ein Kommentar zur aktuellen Flüchtlingssituation

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Quelle: Ian Prince/stocksnap.io

„Warum macht ihr nichts gegen all das Leiden in dieser Welt?“, stößt Krijin van Eeden in der AStA-Zeitung der Uni Frankfurt an. Eine berechtigtes Anliegen. Sie stellt eine Frage, die sich jeder stellen sollte. Jeder hat eine Stimme. Jeder kann sie für etwas Gutes einsetzen. Gerade jetzt.

Es werden seit Wochen Flüchtlingsheime angezündet, Angriffe verübt und Unsicherheit verbreitet sich. Die Stimmung kippt. In welche Richtung bewegt sich die allgemeine politische Meinung? Ist das das Denken der Mehrheit? Nein, das glaube ich nicht. Im ganzen Tumult um den Fremdenhass existiert der Schimmer einer aufgehenden Sonne am Horizont. Während sich Nachrichten kontinuierlich mit negativen Ereignissen überschlagen, nehmen auch positive Meldungen zu. Letztes Wochenende bewies ein „Train of hope„, dass es aufwärts geht. Hunderte Menschen empfingen Flüchtlinge aus Ungarn am Frankfurter Bahnhof. Ein Hoch auf die Willkommenskultur.

Das ist auch ein Beispiel für etwas anderes. Alle – wirklich alle – Menschen, mit denen ich über die Flüchtlingssituation gesprochen habe, waren sich einig: Rechtsextremismus und Gewalt finden wir nicht gut. Vor allem nicht in Kombination. Auf Facebook herrscht bei meinen Kontakten die gleiche Meinung. Fleißig teilen weltweit Personen Videos und Artikel. Besonders beliebt: Anja Reschkes Kommentar in der Tagesschau. Sie lassen ihre Freunde mit ihrem Status wissen, dass es so nicht weiter gehen kann. Sie zeigen Solidarität. Aber am wichtigsten ist: Sie haben mich spüren lassen, dass es viele Gegner der sogenannten besorgten Bürger gibt. An dieser Stelle möchte ich mich bei allen Helfern bedanken. Ich weiß, dass es gewiss nicht jeden erreicht, den es erreichen soll. Ich weiß, dass es vielleicht sinnlos ist, diese Worte zu schreiben. Aber ich weiß auch, dass es sinnvoll ist, zu sagen: „Das, was aktuell geschieht, ist nicht okay!“ In diesem Sinne: Macht weiter, gebt nicht auf und danke für alles, das ihr schon getan habt.

Tausende Helfer bündeln Energie

Die Bundesregierung und ganz Europa stehen vor einer schwierigen Aufgabe. Die ersten Schritte gehen in die richtige Richtung und es ist unsere Aufgabe, dass es sich weiter in diese Richtung entwickelt. Hier helfen wir mit Sach- und Geldspenden, aber auch mit anderen Projekten. Organisationen, wie Caritas, Diakonie, Rotes Kreuz und deren Freiwillige leisten Großartiges.

Es ist an der Zeit kundzutun, dass sich die Geschichte nicht wiederholen wird, und ich denke, wir sind auf dem richtigen Weg. Jedoch leistet die Europäische Union gerade Erste Hilfe und wir stellen uns nicht der Ursache. Auf politische Regime hat man von seinem Wohnzimmer aus wenig Einfluss, – außer Computergenies oder hochkarätige Blogger. Aber es gibt andere Bereiche, bei denen der Einzelne durchaus Einfluss hat. Unserer Konsum könnte ein Teil davon sein. Von Pricedumping, unwürdigen Arbeitsbedingungen und Löhnen wissen wir seit langem, dennoch tun wir nichts. Löst das auch Wirtschaftsflucht aus? Mir ist bewusst, dass nicht jeder das nötige Kleingeld für den einwandfreien, nachhaltigen Lebensstil hat. Das habe ich auch nicht. Aber man sollte sich vor Augen führen, dass mit kleinen Eingriffen in unserem Alltag im Brennpunkt geholfen werden kann.

Ist es nur ein Trendthema?

Doch heißt es gleichzeitig: Achtung! Am besten postet ihr nichts mehr, sonst wird gesagt: „Ihr macht eh bei jedem Trend mit.“ Natürlich ist es en vogue, sich für „Flüchtlinge“ einzusetzen. Natürlich ist viel mehr Schein als Sein. Natürlich kann man es mit der Ice Bucket Challenge vergleichen. Es gehört mitunter zum guten Ton, auf diesen „Zug der Hoffnung“ aufzuspringen. Sollte ich es mir wirklich verbieten lassen, mich für das einzusetzen, was ich schon Jahre unterstütze? Das kann nicht sein. Kritiker hin oder her, ich höre nicht auf. Ich habe dabei geholfen, Flüchtlingskindern zu alphabetisieren, mich als Integrations-Lotsin für die NAJU Hessen ausbilden lassen und dafür gesorgt, dass dieser Verein den Begriff interkulturelle Öffnung kennenlernt. Und das geschah gewiss nicht erst in den letzten zwei Monaten. Vor allem aber denke ich nicht, dass die aktuelle politische Situation es zulässt, Flüchtlinge als einen Trend zu bezeichnen. Es muss etwas getan werden – und das wird Jahre dauern. Deshalb plädiere ich an alle Unterstützer: Macht weiter, gebt nicht auf und danke für alles, das ihr schon getan habt.

Eure Kathrin Mordeja – Landesjugendsprecherin der NAJU Hessen