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Wildnistour im Jämtland

Wildnistour – Rentierromantik im Jämtland

imgp2082Unter den mächtigen Gletschern und wolkenverhangenen Gipfeln des Jämtlands, wanderten wir zwei Wochen durch die Wildnis. Mit der Erwartung, auf viele Blaubären zu treffen, kamen wir am 1. August an der Valadalen Fjällstation an. Von dort aus startete unser kleines Abenteuer.

Auf schmalen Wegen, durch wohlig duftende Bergwälder und durch sumpfige Wiesen, erklommen wir das schwedische Fjäll. Nach wenigen Kilometern verließen wir das Tal unserer Ankunft und ließen die Bäume und die letzten halbwegs temperierten Badeseen zurück. In den Hochtälern des Gebirges wurde der Weg steiniger und führte uns an großen Felsen, die Relikte aus der Eiszeit sind, vorbei. Die Nadelbäume wichen den allseits vertretenen Latschenkiefern und bald konnten wir die wunderbaren Ausblicke genießen sowie manchen malerischen Sonnenaufgang und -untergang beobachten.

Unsere Hoffnung auf reichhaltige Blaubeermüslis wurde leider enttäuscht, jedoch konnten wir uns nur mit vollen Bäuchen über die ausbleibenden Blaubeeren beschweren. An Essen mangelte es uns glücklicherweise nicht und schon gar nicht an fähigen Köchen. Jedes Gruppenmitglied durfte mal kochen, wodurch jeder den Umgang mit dem Benzinkocher erlernte. So schlüpften wir abends zufrieden und satt in unsere Schlafsäcke, lauschten Geschichten oder spielten noch eine abendliche Runde Karten.

img_0006Die Nächte im warmen Schlafsack wurden gerne bis in den Vormittag hinein verlängert. Doch nach einigen kleinen motivationssteigernden Maßnahmen, zu denen u.a. Zeltabbau – über in Schlafsäcken liegenden Menschen – zählte, brachen wir unser Lager ab und begannen unseren täglichen Marsch. Beim Wandern überquerten wir so einige Bäche, aus denen wir kristallklares Wasser schöpften und uns wunderbar laben konnten. Auch erfrischend kalte Bäder, in den vielen schönen Bergseen, konnten wir genießen. Bei gefühlten 4° Celsius Badetemperatur blieb jedoch niemand lange im Wasser.

So richtig abenteuerlich wurde es in der zweiten Woche, als wir mitten in einem Schneesturm aufwachten und durch den Schneesturm wandern mussten. Schnee im Sommer fragt ihr euch? Ja, Schnee! Und Hagel und Graupel. Dazu natürlich Wind, starker Wind, der einem den Schnee im 90° Winkel ins Gesicht bläst, sodass man nur, von der Kapuze geschützt, gerade nach unten schauen mochte, wodurch die Sicht auf einen halben Meter vor die eigenen Schuhe beschränkt wurde. Doch durch die Fürsorge einer barmherzigen Hüttenwirtin, konnten wir eine Pause im warmen Gemeinschaftsraum der Hütte verbringen. Der charmanten Hüttenwirtin war das Wetter auch suspekt und so bot sie uns heiße Limonade an. Da wir uns nichts darunter vorstellen konnten, nahmen wir natürlich dankbar an und bald darauf brachte sie uns eine Art Sirup, der mit heißem Wasser verdünnt wurde. Dabei nahmen wir unseren täglichen Trail Snack, unser Mittagessen, bestehend aus Nüssen, Riegeln, Trockenfrüchten und Schokolade ein. Derart gestärkt fiel der Abstieg ins weniger kalte und stürmische Tal sehr leicht.dsc01294

Ein weiteres Highlight war der Helagsgletscher, dessen Gletscherzunge wir besuchten. Dort posierten wir auf dem Eis und konnten schöne Erinnerungsfotos machen. Zumindest die aus der Gruppe, die nicht dem Lagersport „im Schlafsack verkriechen“ frönten. Wer zu faul war blieb in unserem Basislager und vertrieb sich die Zeit mit Kartenspielen oder Wäsche waschen, sehr zum Leidwesen des einen unserer zwei Teamer, der unten natürlich nicht drei Minderjährige unbeaufsichtigt im Tal lassen konnte und deshalb auch unten bleiben musste.

img_0297Was man natürlich nicht vergessen darf, sind die vielen Rentiere die wir gesehen haben. An manchen Morgen konnte man am Eingang unseres Zeltes mehrere beim Grasen beobachten. Die Tiere und vor allem die Geweihe kamen so gut an, dass einige beschlossen haben, eine abgeworfene Geweih-Hälfte zur Erinnerung mit nach Hause zu nehmen. Wer Glück hatte fand diese erst gegen Ende der Tour und nicht wie andere am Anfang, die daraufhin die gefühlten 5kg mehr Gewicht tragen mussten/wollten.

Nach 17 Tagen war die Tour beendet und wir stellen fest, zwei Wochen Wildnis machen Lust auf mehr!

P.S.: Wildnistour tut voll Sinn machen!

  • Danilo, Lydia und Felix