AllgemeinKommentar

Deutsch-Israelischer Jugendaustausch

Deutsch-Israelischer Jugendaustausch (1.7. bis 7.7.2016)

IMG_0875

Wie vielleicht manche von euch schon gehört haben, existiert seit längerem eine Kooperation der Naturschutzjugend Deutschland e.V. mit dem Israelischen Naturschutzbund „Society for the Protection of Nature in Israel“ (SPNI). In diesem Rahmen finden auch regelmäßige Austauschprojekte statt.

Im Folgenden habe ich das für mich Wichtigste herausgegriffen, einen chronologischen Reisebericht findet ihr hier.

[…]

Die Zeit in Israel begann mit Input bezüglich der Vergangenheit von SPNI und der Geographie vor Ort. Uns wurde die Bedeutung des Hula-Valleys (eines ehemals riesigen Sumpfgebietes) für die Natur bewusst gemacht. Wir wurden auf einen traumhaften Aussichtspunkt über das Tal gefahren, einer ehemalig umkämpften Festungsanlage. Es wurde von der Entstehung des SPNI, aus dem Bedürfnis heraus möglichst viel von diesem Sumpf zu beschützen, erzählt. Der erste Erfolg der SPNI waren kleine Sumpfflächen, welche, im Zuge der Trockenlegung des Hula-Valleys, zum Schutz der Flora und Fauna erhalten blieben. SPNI ist die größte Naturschutzorganisation Israels. Es ist beeindruckend, dass die wenigen Gründer von SPNI es geschafft haben sich gegen die Regierung durchzusetzen und einige Sumpfgebiete, welche gutes Ackerland hergeben würden, in einem so trockenen Land zu bewahren. Leider sind im Zuge der Trockenlegung des Sumpfes doch etliche Tierarten in Israel ausgestorben…israel

An einem Tag wanderten wir einen kleinen Teil des „Israel National Trails“. Dieser ist auch ein Projekt der SPNI. Wie uns stolz gezeigt wurde, kann man diesen dank Google sogar komplett digital im Internet ablaufen. Unsere Guides haben viel Wert darauf gelegt uns die Tierspuren und die Pflanzenwelt ausführlich zu erläutern. So wurden uns die Stachelschweinspuren gezeigt oder Senfsamen zum Essen gepflückt. Hier wurde einem auch die Präsenz des Militärs erneut bewusst, welches das Naturschutzgebiet, durch den der Trail geht, unter anderem für seine Übungen nutzt. Querwaldein-Freizeiten, wie wir als NaJu sie in Deutschland machen, wären in Israel nicht so ohne weiteres möglich. Wären nicht die ganzen Militärgebiete und die hohe Besiedelungsdichte, die Minenfelder welche noch über das Land verteilt existieren, würden eine Organisation solcher Freizeiten schwer machen. In diesem Rahmen habe ich mir auch allgemein Gedanken über das wandern in Israel gemacht. Mit Kindern müsste man wegen der Hitze sehr viel Wasser mitnehmen. Das Wasser aus Bächen, Flüssen und Seen ist meistens aufgrund der hohen Temperaturen kein Trinkwasser. Mir wurde erzählt, dass auch des Öfteren Wanderungen wegen „schlechten Wetters“ (aufgrund zu hoher Temperauren) abgesagt werden. Auch muss bei Ausflügen mit Schulklassen immer eine militärische Aufsicht mitkommen. Es gibt das „Ministrie of Environmental Protection and Education“, bei welchem alle Projekte/Ausflüge, die mit Schulklassen gemacht werden, gemeldet und genehmigt werden müssen. Dieses Ministerium verbietet auch Ausflüge, wenn das Wetter zu heiß ist, oder es glaubt Gefahren für den Ausflug erkennen zu können.isr

Abgesehen von neuen Kontakten, tollen Erlebnissen und Touren erwartete ich mir auch einen Einblick in die Naturschutzarbeit in anderen Ländern. Sowohl von Israel, als auch von den Ländern, aus denen wir Gäste hatten. Diese wurden auch mehr oder weniger erfüllt. Klar- von der Arbeit des SPNI und kleinen anderen israelischen Vereinen erfuhren wir sehr viel. Über die Arbeit von „Legambiente di Trani“ (Italien), „AKTI, Project and Research Center“ (Zypern) und „ATE Caltun-Club UNESCO“ (Rumänien) erfuhren wir leider nicht mehr als eine 20 bis 30-minütige Präsentation. Was ich hierbei mitgenommen habe war, dass Legambiente und AKTI Strände säubert, AKTI altes Kochöl von Schulen sammelt und aufbereitet und ATE auch ein paar Jugendfreizeiten veranstaltet.

Was mir an SPNI im Vergleich zum NaBu oder zu der NaJu besonders aufgefallen ist, ist die Altersklasse der Mitglieder. Es gibt kaum einen Jugendbereich der ehrenamtlich tätig ist. Während der Schule besteht angeblich nicht so wirklich die Möglichkeit für die Jugendlichen sich aktiv im SPNI zu beteiligen. Die Arbeit der SPNI wird vielmehr über Ehrenamtliche, die ein soziales Jahr machen, oder über Mitarbeiter abgedeckt. Die Schulklassen bleiben viel eher als Klasse zusammen und machen von SPNI geplante Touren oder Programme. Zum Beispiel gibt es so genannte „Eco-Community-Center“,  welche sich mit Schulklassen um einen Fluss, ein Stück natürliches Land oder ähnliches kümmern.

Auch in Israel gibt es Aktivistengruppen wie „Green Course“ welche sich für den Stopp von Ölbohrungen oder großen Stromnetzen durch das Hula-Valley einsetzen. Dementsprechend haben wir uns auch eine Stelle angeschaut, an der nach Öl gebohrt wurde und haben ein paar uralte Windräder besucht. Gerade das Argument des Vogelschutzes ist in Israel, als Schlüsselloch des Vogelzuges, besonders schwerwiegend und ein großes Konfliktpotential mit der Regierung. Diese plant einen riesigen Windpark mit einer Stromleitung quer durch das Hula-Valley. Auch wurden wir über viele weiter Konfliktstellen informiert, wie man sie hier in Deutschland kaum kennt. Zum Beispiel sorgen Landwirte, welche sich gegenseitig ihre Kühe vergiften, dazu, dass die Geier in Israel fast ausgerottet sind.

Die riesige Auswahl an vegetarischem und veganen Essen hat mich schier begeistert. Wobei diese wohl eher religiöse und pragmatische Gründe hatte. Es wäre schlichtweg zu kompliziert alle vorhandenen Religionen entsprechend zu berücksichtigen (Es ist ja nicht mal mehr immer eindeutig was überhaupt Halal ist).

Kulturelles Wissen zu vermitteln war auch ein wichtiger Punkt der SPNI. Ein ganzer Tag wurde darauf verwendet, uns verschiedene Kulturen und Minderheiten in Israel vorzustellen. Auch wenn es ein besonders heißer Tag war, ich wollte diesen nicht missen.

Außerdem haben wir uns diverse „Community-Gardens“ angeschaut. Dies sind regionale Projekte, wo kleine Ansiedlungen (sogenannte „Kibuz“) einen gemeinsamen Garten haben in dem sie Obst und Gemüse anbauen.

Alles in allem war die Reise auf jeden Fall extremst informativ und auch motivierend. Ich habe zum Beispiel von einem NABU-SPNI Projekt erfahren von dem ich vorher nie etwas gehört habe, bei dem Daten über die Beringung der Zugvögel zwischen den Organisationen ausgetauscht werden. Mir kommt es so vor, als ob der NaBu in SPNI in Israel eine Schwester hätte. Nach der „NaJu im SPNI“ suche ich allerdings immer noch. Vielleicht konnten wir den Vertretern der SPNI ja ein paar Anregungen mit auf den Weg geben… wer weiß.

Aber auch innerhalb von Deutschland habe ich erstmals NaJu-und NaBu-Mitglieder nördlich von Hessen kennengelernt. Erfreulicherweise haben sogar Einige ein reges Interesse am AK-Wildlife gezeigt und ich hoffe sehr, den Kontakt aufrechterhalten zu können.

Der Austausch geht in Zukunft ja hoffentlich weiter – Vielleicht bist Du ja nächstes Mal dabei? 😉

Cheers, David1462348139